1. Einführung

Der Milchviehbetrieb wurde in den letzten 30 Jahren sehr stark entwickelt. Schon vor der eigentlichen Übergabe an den Übernehmer trug dieser den Großteil der Verantwortung im landwirtschaftlichen Unternehmen. Neben der Landwirtschaft wurde eine Dienstleistung für Stalleinrichtungen angeboten. Darauf lag der Fokus des Familienbetriebs vor der Übergabe im Jahr 1993. Der Unternehmergeist wurde über die Generationen immer stärker. Der Sohn des Übernehmers ist heute bereits in die Betriebsgesellschaft integriert, trifft Entscheidungen und ist bei allen wichtigen Gesprächen und Verhandlungen am Tisch.

2. Betriebsleiter-Profil

Name Keine Angabe
Alter 50
Geschlecht Männlich
Ausbildung Landwirt; Fortbildung in Psychologie und Betreuung von Menschen in Krisensituationen.
Familienstand Verheiratet
Eingetragener Lebenspartner 22,18,10 Jahre alt.

3. Betriebsprofil

Adresse Freistaat Bayern
Betriebsfläche 60 ha
Seit wann ist der Betrieb in Familienbesitz? Mehr als vier Generationen
Zahl der Mitarbeiter (Familienangehörige) 1 (Vollzeit) 2 (Teilzeit)
Zahl der Mitarbeiter (Andere Mitarbeiter) 0

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS VOR DER ÜBERGABEN

Zum Zeitpunkt der Übergabe befand sich der Hof in sehr veraltetem Zustand. Der Übergeber investierte nicht in den landwirtschaftlichen Betrieb, sondern konzentrierte sich mehr und mehr auf seine außerlandwirtschaftliche Tätigkeit. So waren es ab seinem 16. Lebensjahr der Übernehmer und seine Mutter, die den landwirtschaftlichen Betrieb faktisch führten. Der Übernehmer war darüber hinaus in Teilzeitbeschäftigungen für andere Landwirte und auf Baustellen tätig. Seine Ersparnisse steckte er in den landwirtschaftlichen Betrieb, um die betriebsnotwendige Technik zu beschaffen. Zur Übergabe kam es dann 4 Wochen vor der Hochzeit. Zum Zeitpunkt der Übergabe bewirtschaftete der Hof 22ha LF (davon 13ha eigen) und hielt 28 Milchkühe mit Nachzucht.

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS NACH DER ÜBERGABE

Nach der Übergabe wurde der Betrieb sehr stark entwickelt. Es wurde ein neuer Stall und ein neues Wohnhaus gebaut, 7ha LF zugekauft und weitere Technik beschafft. Es wurden Bodenproben gezogen und damit die Qualität der Böden erfasst. Schließlich wurde der Gesamtbetrieb auf biologische Produktion umgestellt. Die Betriebsentwicklung war sehr herausfordernd, und fand parallel zur Familiengründung statt. Die drei Kinder sind heute zwischen 22 und 10 Jahren alt. Die Ehefrau des Landwirts ist 46 Jahre alt. Zusammen lebt die Familie im neuen geräumigen Wohnhaus. Die eigene Erfahrung in der Hofübergabe-Phase wurde sehr gut reflektiert, und die nächste Hofübergabe ist in Vorbereitung. Heute werden 65 Milchkühe gehalten und ca. 60ha LF nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet.

4. Übergabe-prozess

Der Übergeber hätte sich unter Umständen auch noch länger Zeit gelassen mit der Entscheidung zur Übergabe. Durch die anstehende Heirat und Familiengründung des Übernehmers kam jedoch zusätzlicher Druck auf, der beschleunigend wirkte. Die Übergabe war schlecht vorbereitet, da keine Kommunikation diesbezüglich stattfand. 

Die Ehefrau des Übernehmers hatte bei seiner Mutter einen schweren Stand. Lob oder Anerkennung für die enorme Leistung des jungen Übernehmers vor oder nach der Übergabe gab es nie.

Im Vorfeld der Übergabe war der Übernehmer nur eine sehr gute Arbeitskraft. Er hatte keinerlei Einblick in die Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Details zum Betrieb wurden vor der Übergabe nicht an den Übernehmer gegeben. Geld verdiente er durch Teilzeitarbeiten für andere Landwirte und ländliche Institutionen. Im Betrieb hatte er Kost und Logie frei. Diesbezüglich wurde er stets mit folgenden Worten vertröstet: “Du bekommst ja irgendwann den Hof!”

Insofern übernahm der Übernehmer mit der Protokollierung der Hofübergabe 1993 eine wirtschaftliche “Black Box”. Bezeichnender Weise wurde die Übergabe in keiner Weise gewürdigt. Nach dem Notartermin fuhr der Übernehmer zurück auf die Baustelle am Hof. 

Nach der Übergabe war das Verhältnis zwischen allen Beteiligten nie überschwänglich, aber in Ordnung. Die beiden jüngeren Geschwister des Übernehmers wurden mit Vermögen abgefunden. Alle arrangierten sich. Etwas anderes hätte auch weder Familie noch Betrieb gut getan in der Entwicklung. Der Übernehmer hatte sich bereits vor Übergabe in seine eigene persönliche Richtung entwickelt und ein klares Bild von seinem Zukunftsbetrieb im Bio-Bereich. Rückblickend – auch weil die heutige Situation eine bessere ist, und sowohl Familie als auch Betrieb und Vermögen aufgebaut wurden – war der Hofübergabeprozess zwar schlecht, aber das heutige Ergebnis in Ordnung. Die Situation direkt nach der Übergabe am Hof war jedoch schlecht, und eine wirtschaftliche und menschliche Herausforderung. Die Lehren daraus wurden gezogen. Bereits heute hat der Übernehmer seinen 22-jährigen Sohn in einer operativen Betriebs-Gesellschaft beteiligt, um die kommende Übergabe auf ausgiebiger praktischer und buchhalterischer Kenntnis des Betriebs aufzusetzen.

Probleme und Herausforderungen

Information: Es waren dem Übernehmer vor Übergabe keine Informationen zur wirtschaftlichen Lage, zu Vermögen und zu Verbindlichkeiten bekannt. Durch den unterschiedlichen Informationsstand und den schlechten Zustand von Gebäuden und Technik war es sehr schwer, den Betrieb in die Zukunft zu entwickeln. Es war ja nicht einmal die konkrete IST-Situation bekannt.

Situazione abitativa: inizialmente tre generazioni vissero sotto lo stesso tetto. Ciò funzionò soltanto perché tutte le parti - in particolare il successore e sua moglie – si adoperavano in continuazione per disinnescare i conflitti. La vicinanza anche dopo il lavoro era molto problematica, in quanto vi erano problemi interpersonali. Con il trasferimento all’abitazione di nuova costruzione, le relazioni migliorarono in modo significativo.

Wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen

Erfahrungen außerhalb des eigenen Betriebes: es ist sehr wichtig, auch Erfahrungen außerhalb des eigenen Betriebes zu sammeln. Dieses Wissen ist unersetzlich, da es wichtige Impulse für die Reflektion des eigenen Handelns auf dem Hof gibt. 

 

Austausch mit Landwirten/ Beratern: da der Übernehmer kein unternehmerisches Vorbild im Übergeber hatte, war es notwendig und gut, Austausch zu suchen, und auch bei seinen Teilzeitarbeiten andere Dinge, Vorgehensweisen und Herangehensweisen zu sehen.

 

“Redet miteinander – Übernehmer und Übergeber – und zwar öfter. Wiederholende Gespräche aller Beteiligten und konkrete vollständige und gleiche Information für alle als Grundlage ist sehr hilfreich, nimmt Emotion aus der Angelegenheit und versachlicht!” 

“Kein Prozess läuft optimal. Aber es kommt auch auf Deine Sichtweise an. Sieh zu, dass das Glas immer halb voll ist. Positives Denken hilft enorm!”

RAT

5. Überlegungen, Fähigkeiten, Kompetenzen die für den Übergabeprozess wichtig sind, sowie Fragen und Reflektion

OBEN