1. Einführung

Der Acker- und Hopfenanbau-Betrieb ist seit dem 14. Jahrhundert in Familienbesitz. Der Übernehmer ist die 21. Generation, die hier Landwirtschaft betreibt. Der Betrieb ist von ehemals 13 Betrieben der letzte Hopfenanbauer im Ort. Bereits in den Generationen zuvor wurde viel Wert auf gute Kommunikation und Ethik gelegt: sowohl innerhalb der Familie als auch in der Zusammenarbeit mit den in dieser Betriebsausrichtung notwendigen Saisonarbeitskräften. Der Unternehmergeist war bereits beim Übergeber sehr stark ausgeprägt. Der Übernehmer setzt seit Übergabe im Jahr 2013 die sehr gute Betriebs- und Vermögensentwicklung fort, geht dabei jedoch seinen eigenen kreativen Weg.

2. Betriebsleiter-Profil

Name Keine Angabe
Alter 42
Geschlecht Männlich
Ausbildung Diplom-Landwirt (Dipl.-Ing. agr. FH); zusätzliche Ausbildungen zum Bier-Sommelier; darüber hinaus im Handel tätig und zusätzliche eigene Firma für landwirtschaftliche Betriebseinrichtung.
Familienstand Verheiratet
Eingetragener Lebenspartner 3

3. Betriebsprofil

Adresse Freistaat Bayern
Betriebsfläche 56ha; davon 21ha Hopfengärten
Seit wann ist der Betrieb in Familienbesitz? 14. Jahrhundert (1398)
Zahl der Mitarbeiter (Familienangehörige) 1 (Vollzeit) 2 (Teilzeit)
Zahl der Mitarbeiter (Andere Mitarbeiter) 20 (Teilzeit)

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS VOR DER ÜBERGABEN

Der landwirtschaftliche Betrieb bewirtschaftet ca. 56 ha, wovon ca. 21ha Hopfengärten sind. Bereits vor der Übergabe war der Übernehmer zuständig für die Bewirtschaftung der Hopfengärten. Der Übergeber konzentrierte sich bereits auf den Ackerbau. Der Senior war sehr engagiert im Ehrenamt, unter anderem im Hopfenanbauverband. Er war am Ende derjenige, der entschied, ob noch eine zusätzliche Düngung oder Pflanzenschutzgabe im Hopfenanbau Sinn macht. Er hat einen großen Erfahrungsschatz, den er weitergibt. Seit jeher wurde auf langfristige Zusammenarbeit auch mit Saisonarbeitskräften hoher Wert gelegt. Es wird darauf geachtet, dass die Arbeiter einen übertariflichen Lohn bekommen und sehr gute Wohn- und Lebensbedingungen vor Ort finden. Einige Arbeiter sind seit 25 Jahren am Betrieb tätig.

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS NACH DER ÜBERGABE

Grundsätzlich wird der Betrieb im bestehenden Umfang weitergeführt. Es ist nicht das Ziel des Landwirts, ohne konkretes Ziel zu wachsen, sondern vielmehr, bestehende Ernte- und Lagerkapazitäten und vorhandene Gebäude optimal auszunutzen. Jedoch gab es wichtige strukturelle Änderungen: die Hopfengärten wurden nach Übernahme komplett arrondiert. Um dies zu erreichen wurden an einer Stelle Gärten abgebaut, und an anderer Stelle neu angelegt. Heute sind sämtliche 21 ha Hopfen bewässert. Über die Bewässerungsanlage ist nicht nur gezielte Bewässerung, sondern auch gezielte und kostengünstige Düngung jederzeit möglich. Die Ernten sind sehr stabil und von hoher Qualität. Motto des Übernehmers ist es, den Betrieb nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial zukunftsfähig zu halten. Er ist mittlerweile ausgebildeter Bier-Sommelier, und möchte neben seiner Vollzeit-Anstellung im Handel den Betrieb durch ergänzende Betriebszweige wie einer Craft-Beer-Brauerei und einer Event-Scheune weiter optimieren.

4. Übergabe-prozess

Der Übergeber hatte in seiner Betriebsleiter-Zeit bereits sehr gute Investitionen im Bereich Ernte-, Lager- und Trocknungstechnik getätigt. Neben der Betriebsentwicklung achtete der Übergeber sehr darauf, dass sein Sohn als zukünftiger Übernehmer Erfahrung nicht nur im eigenen Betrieb sammelt. So war der Übernehmer ein Jahr in England bei einem großen Hopfenanbaubetrieb in Fremdlehre, und hat während seiner schrittweisen Ausbildung zum Diplom-Landwirt eine Stelle im Agrarhandel angetreten. Ethik wird hoch gehalten am Hof, und es wird ein guter Umgang gepflegt: “Du musst den Leuten immer in die Augen schauen können!”

Es war stets klar formuliert, dass der heutige Übernehmer den Hof übernehmen wird. Aber erst als der Übernehmer 38 Jahre alt war fand die Übergabe statt. Dies war vom Zeitpunkt passend mit dem Renteneintritt des Übergebers. Die beiden Geschwister konnten mit ausreichend Vermögen abgefunden werden, so dass hier keine Belastungen mehr für den Betrieb entstanden. Der späte Zeitpunkt der Übergabe aus Sicht des Übernehmers war jedoch unproblematisch, da er zwischenzeitlich sehr gut in Anstellung seinen Lebensunterhalt verdiente. Mit 38 war es dann jedoch Zeit, Fakten zu schaffen: Übernehmer: “Jetzt könntet Ihr schon mal…” Übergeber: “ das kommt schon noch…” Heute weiß der Übernehmer, dass die Übergabe früh genug kam. Und er schätzt, was von seinen Eltern und den Mitarbeitern aufgebaut wurde. Er wurde vor, während, und nach der Übergabe vom Übergeber in seinem Tun und in seinen Ideen ermutigt, und gelobt. Auch mit Kritik und gutem Rat stehen die Übergeber stets zur Seite. 

4 Jahre nach der Hofübergabe hat der Übernehmer bereits erste Lehren gezogen: “Mitarbeiten und Verantwortung tragen sind völlig unterschiedliche Dinge. Es sind viele Kleinigkeiten, die ich heute in meinem Kopf habe. Ob das der Dieseleinkauf ist oder die laufende Buchhaltung. Das habe ich früher nicht als Aufwand gesehen.”

Probleme und Herausforderungen

Gerechtigkeit: dies war ein wichtiges Thema für die Familie, da jedem Beteiligten (den Eltern/ Übergebern sowie dem Übernehmer und den beiden Geschwistern) die Harmonie am Herzen liegt. Es war eine Herausforderung, die Geschwister gerecht abzufinden. Es wurde jedoch im Rahmen einer Beratung und Moderation des Übergabeprozesses klar vermittelt, dass hier nicht nur Vermögensmasse übertragen wird, sondern auch ein operativer Betrieb, der mit wirtschaftlichen Risiken verbunden ist. So waren beispielsweise die Jahre von 2001 bis 2006 sehr schlechte Hopfen-Jahre, und damit auch für diesen Betrieb eine Herausforderung.

Verantwortung: der Übergang in die Verantwortung, und die Übernahme eines Lebenswerkes kann auch Druck erzeugen. Beim Übernehmer entstanden – trotz guter Erfahrungen und Erfolg – in den ersten Jahren Versagensängste. Dies führte zu schlaflosen Nächten vor der Ernte. Dies ist natürlich Typsache, aber es ist ein Thema, dem man Beachtung schenken muss: Unterschied zwischen vollumfänglicher Verantwortung und reiner Mitarbeit.

Wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen

Der Übernehmer war sehr gut ausgebildet, und bekam vom Übergeber einen starken und an Nachhaltigkeit orientierten Unternehmergeist vermittelt. Er baut auf Austausch mit anderen erfolgreichen Unternehmern in der Landwirtschaft und der restlichen Wirtschaft, und nutzt sein geschäftliches Netzwerk. 

 

Einzig, auch unternehmerische Geduld zu entwickeln brauchte Zeit. Mit 38 Jahren hatte er das Gefühl, es ist zu spät, und es wurde viel versäumt. Heute weiß er, dass ein organisches Wachstum das Beste ist. Es geht nicht alles auf einmal. Er hätte es geschätzt, bereits damals auch negative Fallbeispiele gekannt zu haben, um den zu hohen Tatendrang nach der Übergabe zu bremsen. Fähigkeiten haben um mit den Personen entlang Deines Weges gut auszukommen.

 

“Du musst Deinen Betrieb kennen, und überschätze Dich und Deine Leistungsfähigkeit nicht! Es ist ein großer Schritt von der Mitarbeit in die alleinige unternehmerische Verantwortung!”

“Denke immer daran: so schlecht haben es die “Alten” nicht gemacht. Heute weiß ich, was dahintersteckt. Und: man kann nicht alles auf einmal verändern! Alles braucht seine Zeit!” 

RAT

5. Überlegungen, Fähigkeiten, Kompetenzen die für den Übergabeprozess wichtig sind, sowie Fragen und Reflektion

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