1. Einführung

Der Betrieb ist ein Ackerbaubetrieb, also ein reiner Marktfruchtbetrieb mit knapp 70 ha Bewirtschaftungsfläche. Auf dem Betrieb werden Hackfrüchte (Kartoffeln und Rüben) und Getreide (Weizen, Gerste und Triticale, Winterraps und Erbsen) angebaut. Die Kartoffeln werden direkt vermarktet und sind das wesentliche Standbein des Betriebes. Die Arbeit wird hauptsächlich durch Familienarbeitskräfte geleistet. Die Eltern und die beiden älteren Schwestern helfen je nach Notwendigkeit mit. Die Zukunft des Betriebes ist noch unsicher. Der junge Betriebsleiter ist ledig und hat noch keine Kinder.

2. Betriebsleiter-Profil

Name Keine Angabe
Alter 32
Geschlecht Männlich
Ausbildung Masterstudium Agrarwissenschaften.
Familienstand Ledig
Eingetragener Lebenspartner -

3. Betriebsprofil

Adresse Freistaat Bayern
Betriebsfläche 70 ha
Seit wann ist der Betrieb in Familienbesitz? Seit 90 Jahren
Zahl der Mitarbeiter (Familienangehörige) 0 (Vollzeit) 4 (Teilzeit)
Zahl der Mitarbeiter (Andere Mitarbeiter) 0 (Vollzeit)

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS VOR DER ÜBERGABEN

Vor der Übergabe unterschied sich der Betrieb nicht vom heutigen Zustand. Die Betriebsübergabe ist noch kein ganzes Jahr her. Die Übergabe erfolgte im Sommer 2016. Bereits während des Studiums des Übernehmers wurde der Vater 65 Jahre alt und ging in Rente. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Betrieb an den Übernehmer verpachtet. Dieser konnte in der Zeit des Studiums nicht immer vor Ort sein. Der Vater blieb weiterhin der Betriebsleiter. Trotz der an ihn verpachteten Flächen wurde der Übernehmer nicht bei der Entscheidungsfindung miteingebunden. Meistens konnte er sich jedoch darauf verlassen, dass sein Vater „richtig“ entschied. Nach dem Studium arbeitete der Übernehmer noch in München bei der Landesanstalt. Nach seinem letzten befristeten Projektvertrag hat er den Hof übernommen.

BESCHREIBUNG DES BETRIEBS NACH DER ÜBERGABE

Seit der Betriebsübernahme im Juli 2016 hat sich nichts geändert, außer, dass der Übernehmer seit diesem Zeitpunkt der neue Betriebsleiter ist und als Vollerwerbslandwirt sein Geld verdient. Wahrscheinlich wird der Übernehmer zukünftig den Betrieb lediglich als Nebenerwerb weiterführen. Er überlegt die Direktvermarktung aufzugeben, da diese zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Momentan braucht er die Unterstützung der Familie. Deswegen versucht er alle Familienmitglieder miteinzubinden und vor allem die Eltern bei der Entscheidungsfindung teilhaben zu lassen. Gleichzeitig hält ihn das auch auf, weil dadurch Zeit verloren geht.

4. Übergabe-prozess

Die älteren Schwestern des Betriebsleiters hatten nie den Wunsch, den Betrieb zu übernehmen. Der Gedanke an eine mögliche Übernahme kam dem Nachfolger das erste Mal mit 16 Jahren. Innerhalb der Familie war es deswegen immer klar, dass der Sohn einmal den Betrieb übernehmen würde. Der Vater fragte lediglich: „Würde es dir daheim nicht gefallen?“, worauf der Sohn antwortete: „Doch, würde es schon.“ Tiefergreifende Diskussionen oder klärende Gespräche gab es keine. Es wurde auch nicht darüber gesprochen, wie viel Zeit ein solcher Betrieb in Anspruch nimmt, oder welche Verdienstmöglichkeiten man damit hat. Problematisch empfand das der Übernehmer nicht, da er auf dem Hof groß geworden ist. Außerdem pachtete er den Hof schon während seines Studiums und konnte sich in dieser Zeit darüber bewusst werden, ob er sich so seine Zukunft vorstellen kann. Die Familienmitglieder hatten im Hinblick auf die Betriebsübergabe keinen genauen Zeitplan. Als es zur Übergabe kam, hatten sie bei Steuerfragen externe Unterstützung. Die weichenden Erben wurden finanziell, in Form von Grundstücken, entschädigt.

Probleme und Herausforderungen

Der Umgang mit Geschäftspartnern muss erst erlernt werden.

Dem Übernehmer war nicht vollkommen bewusst, was auf ihn zukommen würde. Teilweise war er sogar über den Aufwand, der mit einer Betriebsleitung verbundenen ist, überrascht.

Meistens erhält der Übernehmer einen größeren Teil des Vermögens. Die Situation mit den weichenden Erben kann dann zu einem Problem werden. Dass die Übernahme auch mit Bürden einhergeht, muss deswegen in der Familie klar kommuniziert werden.

Wichtig während des Übergabeprozesses ist ein gutes Verhältnis untereinander. Denn man muss bedenken, dass die Übergabe auch den Eltern nicht ohne Weiteres leichtfällt.

Wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen

Erfahrungen außerhalb des eigenen Betriebes: es ist sehr wichtig, auch Erfahrungen außerhalb des eigenen Betriebes zu sammeln. Dieses Wissen ist unersetzlich, da es wichtige Impulse für die Reflektion des eigenen Handelns auf dem Hof gibt.

 

"Es macht wahnsinnig viel aus Verständnis füreinander zu haben." 

"Man muss die Stärken und Schwächen des Anderen kennen und vor allem auch aushalten können." 

"Geschwister müssen in den Übergabeprozess mit eingebunden werden."

RAT

5. Überlegungen, Fähigkeiten, Kompetenzen die für den Übergabeprozess wichtig sind, sowie Fragen und Reflektion

OBEN